Trassenbörse

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Überblick

Was ist die Trassenbörse? Ein langjähriges Forschungsprojekt. Und im Ergebnis eine neue Methode, Fahrpläne für die Eisenbahn zu schreiben und Schienennetze zu vermarkten, auszubauen und anzupassen.

Das Projekt hat viele Aspekte und handelt von mindestens zwei großen Ideen.

Die erste Idee ist eine mathematische. Computertechnik und Rechenverfahren entwickeln sich gewaltig und sind heute im Prinzip leistungsfähig genug, um Fahrpläne auch größerer Schienennetze nach vorher gewählten Zielfunktionen optimiert errechnen zu lassen.

Man muss dazu wissen: Traditionell schreiben oder zeichnen die Betreiber von Eisenbahnnetzen ihre Fahrpläne heute immer noch von Hand (wenn auch oft am Bildschirm), und natürlich wird dabei fast immer der Plan fortgeschrieben, der schon vergangenes Jahr und all die Jahre zuvor funktioniert hat. Von rühmlichen Ausnahmen von dieser Regel werden wir hier eines Tages hoffentlich noch berichten können.

Die zweite Idee stammt aus der Verkehrspolitik. Richtlinien der EU schreiben seit 1991 ihren Mitgliedsstaaten die Öffnung des Eisenbahnmarktes vor – ein langwieriges Vorhaben, das nur Schritt für Schritt zu bewältigen ist. Seit Anfang 2007 besitzen immerhin die Güterverkehrsunternehmen ein Recht auf beliebige grenzüberschreitende Verbindungen.

Die berechtigte Hoffnung ist, dass Wettbewerb die Leistungsfähigkeit des Systems Eisenbahn zu unser aller Nutzen in Europa steigern wird. Echter Wettbewerb und Konkurrenzdruck auf der Schiene sollen und werden zweifellos die Verkehrsunternehmen veranlassen, die Servicequalität in Form von Kundenfreundlichkeit, Pünktlichkeit, Energieeffizienz und einer transparenten Informationspolitik dauerhaft zu steigern.

Verlangt ist damit aber auch eine neue Vermarktung von Schienennetzen – also Fahrrechte (eben die „Trassen“) an diese Unternehmen im Wettbewerb zu vergeben. Das kann man zum Beispiel über Versteigerungen lösen. Der Einsatz simpler und bereits bekannter Verfahren von Auktionen wird dazu aber nicht reichen, und es wird in jedem Fall die computerisierte Erzeugung von Fahrplänen brauchen, um die Trassen optimal vergeben zu können.

Was ist der Hintergrund dieser Idee? Europäische Eisenbahnverkehrsunternehmen sehen sich gewaltigen Herausforderungen gegenüber im Übergang von nationalen Staatsbahnen zu global agierenden Eisenbahnverkehrsunternehmen. Im Fall der Eisenbahninfrastrukturunternehmen ist vor allem die Zuteilung der Trassen und die Erstellung des Jahresfahrplans eine Kernaufgabe. Allein im Jahr 2012 stieg in Deutschland die Anzahl der Trassenanmeldungen um rund 6,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr und erreichte ein neues Rekordhoch mit knapp 60 000 Bestellungen, die zur Konstruktion des Netzfahrplans 2013 berücksichtigt werden mussten.

Neben langfristigen Kapazitätserweiterungen der Eisenbahninfrastruktur ist es möglich, den Prozess der Trassenzuteilung durch mathematische Optimierung zu unterstützen, um diese steigende Nachfrage im gegebenen Netz zu bewältigen. Das ist eine der Grundideen für eine „Trassenbörse“. Es waren Prof. Jürgen Ewers von der Technischen Universität Berlin und Dr. Gottfried Ilgmann, die im Jahr 2002 unter diesem Namen ein ambitioniertes Forschungsvorhaben ins Leben riefen und die Förderung durch das Bundesministerium für Forschung und später durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie erhielten.

In der Rubrik „Wissenschaft“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung vom 29. Januar 2006 wurde der Artikel „Trassen unter dem Hammer“
von Klemens Polatschek veröffentlicht, der ebenfalls plastisch die Ambitionen dieses Projekts illustriert.

Marktwirtschaft auf der Schiene? Wie soll das überhaupt funktionieren? Beauftragt mit der Suche nach Antworten fand sich ein Team aus Wissenschaftlern aus den Bereichen Verkehrswesen, Bahnbetrieb, Wirtschafts- und Infrastrukturpolitik und der Mathematik. In der rechten Spalte finden Sie Links zu den Projektpartnern. Die weiteren Seiten beleuchten Details der Vorgehensweise und Ergebnisse in der Erzeugung optimaler Fahrpläne. Schauen Sie rein!

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